Dynamische Strompreise: Timing ist alles!

Wenn der Börsenpreis negativ ist: Verdient man beim Stromverbrauch mit?
Dynamische Stromtarife wirken für viele Haushalte zunächst abstrakt, weil sie an Börsenpreise gekoppelt sind und diese spürbar schwanken können. Am greifbarsten wird das bei negativen Preisen. 2025 traten solche Phasen in Deutschland nicht nur vereinzelt auf, sondern in klar erkennbaren Zeitfenstern. Wer versteht, wann diese Niedrigpreisfenster entstehen, kann dynamische Preise im Alltag realistischer einordnen und gezielter nutzen.
Im Jahresmittel lag der Day-Ahead-Preis 2025 bei 89,90 €/MWh (8,99 ct/kWh), bei einer Spannweite von -50,00 €/MWh (-5,00 ct/kWh) bis 493,94 €/MWh (49,39 ct/kWh). Entscheidend ist weniger das einzelne Extrem als die zeitliche Bündelung von teuren und günstigen Phasen. Negative Preise sind dafür das deutlichste Beispiel und der beste Einstieg in die Muster des Jahres 2025.
Negative Preise: real, aber stark konzentriert
2025 gab es rund 545 Stunden mit negativen Preisen, aber stark konzentriert in der Mittagszeit. Um 13:00 Uhr traten etwa 89 Negativpreisstunden auf; 12:00 bis 14:00 Uhr zusammen machten rund 218 Stunden aus, also etwa 40% aller Negativpreisstunden. Abends zwischen 18:00 und 23:00 Uhr waren negative Preise dagegen nahezu abwesend. Saison und Woche verstärken das Bild: Rund 80% der negativen Preisstunden entfielen auf Sommermonate, etwa 60% auf Wochenenden. Wichtig ist dabei die realistische Einordnung: Der Börsenpreis ist nur ein Teil des Endpreises; Steuern, Abgaben und Netzentgelte fallen auch bei negativen Börsenpreisen weiter an. Entscheidend ist daher weniger eine einzelne Negativstunde als die Regelmäßigkeit nutzbarer Niedrigpreisfenster über Wochen und Monate.


Saison: Winter teurer, Sommer günstiger
Der Jahresverlauf zeigt eine ausgeprägte Saisonalität. Wintermonate, besonders der Februar, waren im Schnitt deutlich teurer und volatiler, während Sommermonate, besonders der Juni, spürbar niedriger lagen und häufiger Richtung Null oder ins Negative tendierten. Der Februar lag im Durchschnitt bei 128,50 €/MWh (12,85 ct/kWh), der Juni bei 65,50 €/MWh (6,55 ct/kWh). Die Differenz von 63,00 €/MWh (6,30 ct/kWh) entspricht rund 96% saisonaler Variation. Für Haushalte heißt das vor allem: Im Winter treten teure Stunden häufiger auf, im Sommer entstehen häufiger nutzbare Niedrigpreisfenster.


Tagesprofil: Mittags günstig, abends teuer
Neben der Saison ist die Uhrzeit der stärkste Hebel. 2025 lag das typische Preistief um 13:00 Uhr bei etwa 50,00 €/MWh (5,00 ct/kWh), der Tageshöchstwert um 19:00 Uhr bei etwa 135,00 €/MWh (13,50 ct/kWh). Gerade abends ist zudem die Unsicherheit am größten. Praktisch reicht oft eine einfache Regel: Größere, flexible Verbräuche möglichst ins Mittagsfenster legen, die Abendspitzen möglichst nicht zusätzlich belasten. Das betrifft etwa E-Auto-Laden, energieintensive Haushaltsgeräte und, soweit technisch sinnvoll, auch die Betriebsweise einer Wärmepumpe im Rahmen der Hersteller- und Installateurvorgaben.


Wochenende: im Schnitt deutlich günstiger
Ein stabiler Effekt ist der Unterschied zwischen Werktagen und Wochenenden. 2025 lagen Wochenendpreise im Durchschnitt 23,5 % unter dem Niveau von Wochentagen. Besonders sichtbar ist das mittags: Am Wochenende etwa 34,00 €/MWh (3,40 ct/kWh) gegenüber rund 57,00 €/MWh (5,70 ct/kWh) an Werktagen zur gleichen Stunde. Für Haushalte mit planbaren Verbräuchen ist „Wochenende plus Mittag“ damit oft ein besonders günstiges Kombifenster.


Fazit
Die Daten aus 2025 zeigen: Der Markt schwankt stark, folgt aber klaren Mustern. Winterabende sind die typische Risikozone, Sommermittag und Wochenenden bündeln Chancen. Wer einen Teil des Verbrauchs verschieben kann, etwa mit E-Auto, Wärmepumpe oder planbaren Haushaltsgeräten, hat in der Regel die besten Voraussetzungen, von einem dynamischen Tarif zu profitieren. Wer dagegen kaum Flexibilität hat und überwiegend abends verbraucht, sollte Preisspitzen bewusst einkalkulieren.
Datenquelle und Lizenz (CC BY 4.0)
Diese Auswertung umfasst den deutschen Day-Ahead-Strommarkt vom 1. Januar 2025 bis 31. Dezember 2025 in 15-Minuten-Auflösung. Die zugrunde liegenden Marktdaten wurden als Zeitreihen (CSV) von Bundesnetzagentur | SMARD.de heruntergeladen und stehen unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International (CC BY 4.0). Berechnungen und Visualisierungen wurden eigenständig auf Basis der heruntergeladenen Daten erstellt; Abweichungen zu SMARD-Darstellungen können durch Aggregation, Datenbereinigung oder Berechnungsmethoden entstehen. Quelle: „Bundesnetzagentur | SMARD.de“. Lizenzhinweise: https://www.smard.de/home/datennutzung und https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/. Diese Veröffentlichung impliziert keine Billigung oder Empfehlung durch die Bundesnetzagentur.